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Hier einige meiner Lieblingsgedichte!

 

                                                        Wilhelm Busch

Sie stritten sich beim Wein herum,
was das nun wieder wäre;
das mit dem Darwin wär gar zu dumm
und wider die menschliche Ehre.

Sie tranken manchen Humpen aus,
sie stolperten aus den Türen,
sie grunzten vernehmlich und kamen nach Haus
gekrochen auf allen vieren.

 


 

                                                                                 

                                              Heinz Erhardt

Das Gewitter

Der Mond verbirgt sein bleiches Licht,

die Sterne am Himmel, sie (p)funkeln nicht.

Die Luft ist schewül.

Dem Herzen wird bang.

Der Uhu krächzt einen Totengesang . . .

 

Daaaa bricht´s aus schwarzer Nacht hervor,

als wäre geöffnet der Hölle Tor,

als ständen die Säulen des Erdballs in Flammen,

als stürze das ganze Weltall zusammen,

und aus der Wolken feuchtem Schoß,

der Regen in Strömen sich ergoß,

als wollten des Wassers wilde Gewalten

das Land zum unendlichen Meere gestalten.

 

Und wie es so stürmet und brandet und kracht,

da - nein daaa - ne, ha´m wir heute gar nicht hier -

eine Jungfrau tritt hinaus in die Nacht

und ruft in die tosenden Winde hinaus:

"Na, das is´n Dreckswetter, da bleib ich zu Haus."     

 

 

                                              Heinrich Heine

Das Fräulein stand am Meere
Und seufzte lang und bang,
Es rührte sie so sehre
der Sonnenuntergang.

Mein Fräulein! sein Sie munter,
Das ist ein altes Stück;
Hier vorne geht sie unter
und kehrt von hinten zurück.

 

 

                             		      Es ist Unsinn
                                                      Sagt die Vernunft
                                                      Es ist was es ist
                                                      Sagt die Liebe
                                                      Es ist Unglück                                                     
                                                      Sagt die Berechnung
                                                      Es ist nichts als Schmerz                        
                                                      Sagt die Angst
                                                      Es ist aussichtslos                  
                                                      Sagt die Einsicht
                                                      Es ist was es ist
                                                      Sagt die Liebe
                                                      Es ist lächerlich                           
                                                      Sagt der Stolz
                                                      Es ist leichtsinnig                    
                                                      Sagt die Vorsicht
                                                      Es ist unmöglich                
                       Sagt die Erfahrung
                                                      Es ist was es ist
                                                      Sagt die Liebe
                                                                    Erich Fried

                      

Kinder, lasset uns besingen,
Aber ohne allen Neid,
Onkel Kaspers rote Nase,
Die uns schon so oft erfreut.

Einst ward sie als zarte Pflanze
Ihm von der Natur geschenkt;
Fleißig hat er sie begossen,
Sie mit Wein und Schnaps getränkt.

Bald bemerkte er mit Freuden,
Daß die junge Knospe schwoll,
Bis es eine Rose wurde
Dunkelrot und wundervoll.

Alle Rosen haben Dornen,
Diese Rose hat sie nicht,
Hat nur so ein Büschel Haare,
Welches keinen Menschen sticht.

Ihrem Kelch entströmen süße
Wohlgerüche, mit Verlaub:
Aus der wohlbekannten Dose
Schöpft sie ihren Blütenstaub.

Oft an einem frischen Morgen
Zeigt sie uns ein duftig Blau,
Und an ihrem Herzensblatte
Blinkt ein Tröpflein Perlentau.

Wenn die andern Blumen welken,
Wenn's im Winter rauh und kalt,
Dann hat diese Wunderrose
Erst die rechte Wohlgestalt.

Drum zu ihrem Preis und Ruhme
Singen wir dies schöne Lied.
Vivat Onkel Kaspers Nase,
Die zu allen Zeiten blüht!

                                      Wilhelm Busch

 

Hilde Domin (1962)
Unaufhaltsam

 Das eigene Wort,
wer holt es zurück,
das lebendige
eben noch
ungesprochene
Wort?

Wo das Wort vorbeifliegt
verdorren die Gräser,
werden die Blätter gelb,
fällt Schnee.

Ein Vogel käme dir wieder.
Nicht dein Wort,
das eben noch ungesagte,
in deinen Mund.
Du schickst andere Worte
hinterdrein,

Worte mit bunten, weichen Federn.
Das Wort ist schneller,
das schwarze Wort.
Es kommt immer an,
es hört nicht auf,
anzukommen.

Besser ein Messer als ein Wort.
Ein Messer kann stumpf sein.
Ein Messer trifft oft
am Herzen vorbei.
Nicht das Wort.

Am Ende ist das Wort,
immer
am Ende
das Wort.


                                                     

aus: Heinrich Heine

Atta Troll, Ein Sommernachtstraum

(...)

Aber bin ich selbst behext?
Oder lodert mir im Kopfe
Noch das Fieber? Meinen Ohren
Glaub ich kaum - es spricht der Mops!

Ja, er spricht, und zwar gemütlich
Schwäbisch ist die Mundart; träumend,
Wie verloren in Gedanken,
Spricht er folgendergestalt:

(...)

War es nicht, es war vielmehr
Eines Hundes Fell - seit jener
Unheilstund' bin ich verwandelt,
Wie Sie sehn, in einen Mops!«

Armer Schelm! Vor lauter Schluchzen
Konnte er nicht weitersprechen,
Und er weinte so beträglich,
Daß er fast zerfloß in Tränen.

»Hören Sie«, sprach ich mit Wehmut,
»Kann ich etwa von dem Hundsfell
Sie befrein und Sie der Dichtkunst
Und der Menschheit wiedergeben?«

Jener aber hub wie trostlos
Und verzweiflungsvoll die Pfoten
In die Höhe, und mit Seufzen
Und mit Stöhnen sprach er endlich:

»Bis zum Jüngsten Tage bleib ich
Eingekerkert in der Mopshaut,
Wenn nicht einer Jungfrau Großmut
Mich erlöst aus der Verwünschung.

Ja, nur eine reine Jungfrau,
Die noch keinen Mann berührt hat
Und die folgende Bedingung
Treu erfüllt, kann mich erlösen:

Diese reine Jungfrau muß
In der Nacht von Sankt Silvester
Die Gedichte Gustav Pfizers
Lesen - ohne einzuschlafen!

Blieb sie wach bei der Lektüre,
Schloß sie nicht die keuschen Augen -
Dann bin ich entzaubert, menschlich
Atm' ich auf, ich bin entmopst!«

(...)

 

Oscar Wilde

Silentium Amoris       

 

As often-times the too resplendent sun

Hurries the pallid und reluctant moon

Back to her sombre cave, ere she hath won

A single ballad from the nightingale,

So doth thy Beauty make my lips to fail,

And all my sweetest singing out of tune.

 

And as at dawn across the level mead

On wings impetuous some wind will come,

And with its too harsh kisses break the reed

Which was its only instrument of song,

So my too stormy passions work me wrong,

And for excess of Love my Love is dumb.

 

But surely unto Thee mine eyes did show

Why I am silent, and my lute unstrung;

Else it were better we would part, and go,

Thou to some lips of sweeter melody,

And I to nurse the barren memory

Of unkissed kisses and songs never sung.

 

 

 

Annette Droste-Hülsdorf

Am Turme

 

Ich steh auf hohem Balkone am Turm,

Umstrichen vom schreienden Stare,

Und laß gleich einer Mänade den Sturm

Mir wühlen im flatternden Haare;

O wilder Geselle, o toller Fant,

Ich möchte dich kräftig umschlingen,

Und, Sehne an Sehne, zwei Schritte vom Rand

Auf Tod und Leben dann ringen!

 

Und drunten seh ich am Strand, so frisch

Wie spielende Doggen, die Wellen

Sich tummeln rings mit Geklaff und Gezisch,

Und glänzende Flocken schnellen.

O, springen möcht´ ich hinein alsbald,

Recht in die tobende Meute,

Und jagen durch den korallenen Wald

Das Walroß, die lustige Beute!

 

Und drüben seh ich ein Wimpel wehn

So keck wie eine Standarte,

Seh auf und nieder den Kiel sich drehn

Von meiner luftigen Warte;

O, sitzen möcht´ ich im kämpfenden Schiff,

Das Steuerad ergreifen,

Und zischend über das brandende Riff

Wie eine Seemöwe streifen.

 

Wär´ ich ein Jäger auf freier Flur,

Ein Stück nur von einem Soldaten,

Wär´ ich ein Mann doch mindestens nur,

So würde der Himmel mir raten;

Nun muß ich sitzen so fein und klar,

Gleich einem artigen Kinde,

Und darf nur heimlich lösen mein Haar,

Und lassen es flattern im Winde.           

(1841/42)

 

                      Wilhelm Busch

 

Du warst noch so ein kleines Mädchen

Von acht, neun Jahren ungefähr,

Da fragtest du mich vertraut und wichtig:

Wo kommen die kleinen Kinder her?

 

Als ich nach Jahren dich besuchte

Da warst du schon über den Fall belehrt,

Du hattest die alte vertrauliche Frage

Hübsch praktisch gelöst und aufgeklärt.

 

Und wieder ist die Zeit vergangen.

Hohl ist der Zahn und ernst der Sinn.

Nun kommt die zweite wichtige Frage:

Wo gehen die alten Leute hin?

 

Madam, ich habe mal vernommen,

Ich weiß nicht mehr so recht von wem:

Die praktische Lösung dieser Frage

Sei eigentlich recht unbequem.

 

 

                                                                                                 (1874)

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                                          

Heinz Erhardt

Flecke

Gott, voller Weisheit, hehr und mild
schuf uns nach seinem Ebenbild
Gewiß, wir Menschen sind gescheit,
doch wo ist unsre Menschlichkeit?
Erscheint uns jemand edel, groß,
so täuscht das: er verstellt sich bloß!
Erst wenn er Böses tut und spricht,
zeigt er sein wahres Angesicht!-

Um obiges nun zu beweisen,
laßt alphabetisch uns verreisen,
dann kann man sehn, was so geschah!
Wir fangen vorne an, bei A ! ! !

A (Amerika)

Amerika, du Land der Super-
lative und dort, wo James Cooper
zwar seinen "Lederstrumpf" verfaßte,
man aber die Indianer haßte,
weshalb man sie, halb ausgerottet,
in Reservaten eingemottet,
sich dafür aber Schwarze kaufte,
sie schlug und zur Belohnung taufte,
doch heute meidet wie die Pest,
sie aber für sich sterben läßt-
wie beispielgebend stehst du da
für Menschlichkeit! O USA!

B (Briten)

Jedoch auch sie, die vielen Briten,
die Schott- und Engländer, sie bieten
für unser Thema Menschlichkeit
so manchen Stoff seit alter Zeit!
Nur waren’s statt Indianer Inder,
die sie ermordeten, auch Kinder;
und ähnlich Schreckliches erfuhren
danach die Iren und die Buren,
die man durch den Entzug des Fetts
verschmachten ließ in den Kazetts!
Jedoch bei Völkern, welche siegen,
wird sowas immer totgeschwiegen . . .

C (Christen)

Dann wäre da, bar jeden Ruhms,
so manche Tat des Christentums,
die, eben wegen seiner Lehre,
am besten unterblieben wäre!
Man denke da zum Beispiel an
Inquisition zuerst und dann
an Waffensegnung mit Gebeten,
um andre Gläubige zu töten!
Auch dieses: lieber Menschenmassen
verelenden und hungern lassen,
statt man Geburtenreglung übe-
auch das zeugt nicht von Menschenliebe!

D (Deutschland)

Nun: Wollt ihr, daß im Alphabet
es mit dem D jetzt weitergeht?
Ist es nicht besser, wenn ich ende?
Wascht nur in Unschuld eure Hände
und greift, kraft eigenen Ermessens,
zum güt’gen Handtuch des Vergessens . . .

Doch hilft das Waschen nicht und Reiben:
Die Flecke bleiben!

                                                                                                  

                                               Wilhelm Busch

Die erste alte Tante sprach:
»Wir müssen nun auch dran denken,
Was wir zu ihrem Namenstag
Dem guten Sophiechen schenken.«

Drauf sprach die zweite Tante kühn:
»Ich schlage vor, wir entscheiden
Uns für ein Kleid in Erbsengrün,
Das mag Sophiechen nicht leiden.«

Der dritten Tante war das recht:
»Ja«, sprach sie, »mit gelben Ranken!
Ich weiß, sie ärgert sich nicht schlecht
Und muß sich auch noch bedanken.<<

 

                                                          

Johann Wolfgang von Goethe    

Mignon

 

Kennst Du das Land, wo die Zitronen blühn,

Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,

Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,

Die Myrthe still und hoch der Lorbeer steht,

Kennst Du es wohl?

                Dahin! Dahin!

Möcht ich mit Dir, o mein Geliebter, ziehn!

 

Kennst Du das Haus, auf Säulen ruht sein Dach,

Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,

Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:

Was hat man Dir, Du armes Kind, getan?

Kennst Du es wohl?

                Dahin! Dahin!

Möcht mit Dir, o mein Beschützer, ziehn!

 

Kennst Du den Berg und seinen Wolkensteg?

Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg;

In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut;

Es stürzt der Fels und über ihn die Flut.

Kennst Du ihn wohl?

                Dahin! Dahin!

Geht unser Weg! O Vater, lass uns ziehn!

                            

 



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